Kleinkläranlagen – Warum warten?

Eine fachgerechte Wartung von Kleinkläranlagen ist für deren sicheren und ordnungsgemäßen Betrieb unerlässlich. Wir wollen hier ein paar Beispiele für typische Probleme bei Kleinkläranlagen zeigen. Meistens sind diese bei einer fachgerechten Wartung leicht zu erkennen und schnell zu beheben.

Blasenbild SBR-Anlage

Bei Kleinkläranlagen, welche nach dem SBR-Prinzip arbeiten, muss das Abwasser im Reaktor aktiv belüftet werden. Dazu pumpt ein Verdichter Luft über Belüfter (Rohr- oder Tellerbelüfter) in den Reaktor. Die Belüfter sind mit einer feinporigen Mebran ausgestattet, welche die Luft feinblasig in den Reaktor entlässt.

Mit der Zeit werden die Membranen porös und die entweichenden Luftblasen immer größer. Der Reaktorraum wird immer stärker durchmischt und der Sauerstoffeintrag in den Reaktor immer geringer. Bei zu wenig Sauerstoff können die Mikroorganismen die im Wasser gelösten Inhaltsstoffe nicht mehr Abbauen – die Ablaufwerte werden immer schlechter und können die Grenzwerte schnell überschreiten.

Nicht zufriedenstellendes Blasenbild einer SBR KKA
Blasenbild einer SBR KKA mit neuen Belüftermembranen

Dieser Mangel kann durch den Austausch der Belüfter schnell behoben werden und die Anlage kann wieder zuverlässig arbeiten.

Abgesoffener Tropfkörper

Tropfkörper werden von oben mit vorgeklärtem Abwasser beschickt. Das Wasser muss dann mit einer Heberpumpe wieder nach oben befördert werden. Fällt die Pumpe aus, säuft der Tropfkörper ab.

Unter Wasser stehender Tropfkörper einer KKA

Da die Biologie ohne Sauerstoff schnell absterben kann, sollte die Störung schnell behoben werden. Dies ist in der Regel durch einen Wechsel der Pumpe problemlos möglich.

Pfützenbildung bei Pflanzenkläranlage

Bei vertikal durchströmten Pflanzenkläranlagen (heute Stand der Technik) wird das vorgeklärte Abwasser mit Hilfe einer Tauchpumpe oder eines Kipphebers schwallweise über Verteilerrohre auf die Beetoberfläche aufgebracht (Beschickung). Erfolgt die Beschickung nicht gleichmäßig über die gesamte Beetfläche verteilt, kann es zu einer Pfützenbildung auf der Beetoberfläche kommen.

Pfützenbildung bei Pflanzenkläranlagen

Mögliche Ursachen für die Pfützenbildung bei Pflanzenkläranlagen:

  • Zu kleine Fördermenge der Beschickereinheit (Schwallbeschicker, Tauchpumpe)
  • Zu geringer Vorlaufdruck der Beschickereinheit
  • “Durchhängen” der Verteilerrohre
  • Kein ausreichendes Gefälle in den Verteilerrohren
  • Verstopfungen in den Verteilerrohren

Da absterbende Biomasse in den Pfützen zu einem Mangel an Sauerstoff im Filter führen kann, sollte die Ursache möglichst schnell gefunden und der Fehler behoben werden. Meist ist dies durch einfache Anpassungen im Rahmen der Wartung möglich. In einigen Fällen muss die Verteilung neu eingerichtet werden.

Betonkorrosion

Beton ist auch bei Abwasserbauwerken ein beliebter Baustoff. Mehrkammergruben, Sammelgruben, Pumpenschächte und Sickerschächte wurden und werden häufig aus Beton gefertigt. Beton ist in der Herstellung relativ günstig, sehr stabil und unter bestimmten Voraussetzungen sehr dauerhaft … wäre da nicht die sogenannte “Betonkorrosion”.

Sehr starke Betonkorrosion in einem Pumpenschacht

Durch Mikroorganismen werden Abwasserbestandteile in der Abwasserbehandlungsanlage verstoffwechselt. Insbesondere bei der Faulung von Fetten entsteht Schwefelwasserstoff (H2S). Aus Schwefelwasserstoff kann dann in Verbindung mit Wasser (z.B. Tauwasser, Kondenswasser) schwefelige Säure (H2SO3) – sogenannte “biogene Schwefelsäure” – werden. Abwasserbauwerke aus Beton werden von biogener Schwefelsäure angegriffen und “korrodieren”. Zunächst bildet sich ein weißer Belag auf der Betonoberfläche, bereits nach wenigen Jahren lösen sich die oberen Betonschichten (Waschbetonoberfläche).

Wird nichts unternommen, um die Betonkorrosion zu stoppen, kann z.B. vorhandene Bewehrung freigesetzt werden und ebenfalls korrodieren. Ohne Maßnahmen ist das Bauwerk einige Zeit später nicht mehr tragfähig, wird undicht und kann einstürzen.

Bei Kleinkläranlagen wird im Zuge der Wartung auch der Zustand der Betonbauwerke dokumentiert. Bei beginnender Korrosion können häufig einfache Maßnahmen (z.B. Verbesserung der Belüftung, Bindung der Schwefelsäure, Beschichtung der Betonoberfläche, Anpassen der Abwasserzusammensetzung) den Prozess verlangsamen oder gänzlich stoppen.